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Die Anfänge als "Heilanstalt"

Paulinenhilfe

1781 gründete Dr. J. A. Venel in Orbe im Schweizer Kanton Waadt weltweit das erste orthopädische Hospital. Die Kombination schon länger bekannter mechanischer Verfahren zur Korrektur des Klumpfußes mit der stationären Behandlung machten erstmals reproduzierbar gute Ergebnisse möglich. Seine Erfolge führten zunächst in Frankreich, ab 1816 auch in Deutschland zur Gründung zahlreicher Nachahmerinstitute. Sie alle betrieben bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts die sogenannte "Apparate- oder Anstaltsorthopädie".

Das heißt, im Verlauf von oft über einjährigen stationären Aufenthalten ("Kuren") wurden Deformitäten wie Klumpfüße, auch Wirbelsäulenverbiegungen gerade gerichtet. Neben den "Apparaten" (Redressionsschienen) kamen Heilwasserbäder, etwas später gezielte Gymnastik, schließlich auch subkutane Sehnendurchtrennungen (literarisch verewigt in Flauberts "Madame Bovary") zur Anwendung. Daraus entstand eines der ersten eigenständigen Fachgebiete der Medizin, dessen Maßnahmen zudem, im Gegensatz zu anderen Fachgebieten meist zum Erfolg und zu wenig Komplikationen führte. Die Ergebnisse wurden vor der Einführung der Fotografie mit Gipsmodellen dokumentiert.

Auch in Stuttgart entstand, neben anderen, ein solches "Orthopädisches Institut", gegründet von dem chirurgischen Instrumentenmacher Gottlieb Ebner, auf einem elf Morgen großen Gutsgelände etwa da, wo heute die Kreuzung Schloss-Silberburgstraße ist. Ab 1842 hieß es "Paulineninstitut". In Württemberg konnte das Institut nicht von einem Instrumentenmacher alleine betrieben werden. Es brauchte eine ärztliche Oberaufsicht. Diese wurde im Sinne einer Beratungstätigkeit ab der Gründung von verschiedenen Ärzten wahrgenommen. Mitte der 40iger Jahre war dies neben anderen Dr. Johann Wilhelm Camerer.

Die aufwändigen Kuren konnten sich jedoch nur reiche Patienten leisten. König Wilhelm I. unterstütze von Anfang an die Heilanstalten und finanzierte mittellosen Verkrümmten die Behandlung. Auf sechs Behandlungsplätze in Stuttgart kamen jedoch schließlich 200 Mittelose, die auf eine Behandlung warteten. Um mehr Patienten behandeln zu können, wandte sich Dr. Camerer an den König. Mit dessen erneuter Unterstützung konnte die "Armenheilanstalt für Verkrümmte am Paulineninstitut" am 15. November 1845 als Stiftung gegründet werden. Seit 1850 trug die Armenheilanstalt mit allerhöchster Genehmigung Ihrer Majestät der Königin Pauline den Namen "Paulinenhülfe". Als Orthopädische Klinik Paulinenhilfe im Diakonie Klinikum besteht sie bis heute und ist damit eine der ältesten ununterbrochen fortbestehenden orthopädischen Kliniken der Welt.

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